Hallo Heidi,
Das mit dem Livebericht wird wohl nichts!
1.) Wir sehen den Film erst am 22.2. weil dann der Regisseur da ist.
2.) fällt unser angekündigter Besuch in Simshausen leider wegen Krankheit aus :(
Also werde ich an dieser Stelle am Donnerstag meinen Eindruck von den Fim wiedergeben!
Neuer angepeilter Termin für Simshausen ist der Clubgeburstag. ( Dann wird ja auch die DVD mit einem popenden altfreak auf dem Markt sein, darüber mache ich dann hir aber keine Filmbesprechung)
Gruß auch von der vollkommen verschnupfter hilti
Schade, schade, schade, dann müssen wir morgen früh wohl oder übel alleine frühstücken :-(
Aber schön, dass Ihr zum Jubiläum erscheint, dann können wir uns den poppenden Altfreak auf Konserve und bestimmt auch live anschauen, wenn Kyra ordentlich einheizt ;-)
Bessert Euch beide, ach ne, das heißt ja gute Besserung ;-)
Hallo Zusammen!
Hier nun mein Eindruck von dem Film 24/7 bei der Vorfühung in Mannheim mit anschließender Diskussion mit Regisseur und einigen Darstellern. Wer eine liebevoll, kritische Rezension des Filmes aus Sicht der SM-Szene lesen möchte, dem empfehle ich: www.lustschmerz.com, oder www.schlagzeilen.com!
So erstmal zu den Rahmenbedingungen: Extra für diesen besonderen Abend war der Film von kleinen Schachtelkino in den großen Kinosaal gerückt. Die ca. 180 Plätze waren nahezu ausverkauft. Die SM Szene offenbar gut vertreten. ( Die Damen und Herren kann man im Gegensatz zu Swingern allzuoft am Äußeren erkennen)
Um es vorwegzunehmen: Der Film hat mich gefangen und ergriffen! Er schwelgt in opulenten Bildern in denen ergreifende SM Inszenierungen ins rechte Licht gerückt werden. Gleichwohl ist es kein Film über SM oder Swingerclubs, es ist ein Film über Spiritualität und Sinnsuche. Die SM-Szeschens erinnerten mich im Inhalt fatal an eine Szene die ich mal in einer Dokumentation über Frau Emmermann ( Credo an Gott ) gesehen hab.
So kraftvoll und ergreifend die SM Szenen und die Sinnsuche gespielt wurden so sehr fielen andere Szenen dagegen ab, wirkten insbesondere im Vergleich mit diesen hölzern und laienhaft gespielt.
Als Gegenpol zum Dominastudio wurde der Swingerclub gezeigt. So schön die Bilder aus dem Studio waren, so lieblos gemacht hölzern und tumb erschien der Swingerclub.
Während das Studio in ausnamslos schönen ästhetischen Bildern zu sehen ist, so wird der Swingerclub ausnamslos von den kommunikationsarmen Bierbauchswingern bevölkert, die es zwar dort gibt, aber eben nicht nur. Sie sorgen dann auch nach den ergreifenden SM Szenen für die befreienden Lacher im Kino.
Auf meine Frage an den Regisseur in der anschließenden Diskussion ob dieser Gegensatz bewusst gewählt wurde, wich er mit Verweis auf seinen Hauptdarsteller der nebenbei auch Swingerclubbetreiber sei aus. Für mich kam aber zwischen den Zeilen ein "Ja" heraus. Der Swingerclubbetreiber und Darsteller des "Maik" wiederum verwies auf eine uralte Fehde die zwischen Swingern und SMlern ausgetragen würde. Außerdem outete er sich als überzeugter Nichtswinger und verwies damit zu Recht auf die komerziellere und weniger homogenen Struktur der Swingerzene.
Treffend war da schon die Szene in der "Eva" zufällig eine Frau aus dem Swingerclub trifft und diese entsetzt reissaus nimmt.
Ich kann mir vorstellen, dass dieser Film manchen unentschlosenen dazu verleiten kann, seinen inneren Dämon in einem Studio bekämpfen zu wollen oder mit der nichtkommerziellen SM Szene Kontakt aufzunehmen. Dass der Film unbedarfte aber geneigte Zuschauer Lust auf Swingerclubs macht, schließe ich dagegen eher aus. Kosequenterweise haben sich die Münchener SM Stammtische zusamengeschlossen und infomieren die Kinobesucher mit einem gemeinsamen Flyer über ihre Aktivitäten. Von Seiten der Swingerclubs ist mir eine solche Aktivität nicht bekannt. Und das hat seinen guten Grund!
"Gummisau Nr2", der auf Geheiss seiner Herrin "Eva" bei ihren ersten Besuch im Swingerclub begleiten muß, bringt die Grundhaltung des Films gegenüber Swingerclubs treffend auf den Punkt wenn er sagt: "Die Swingerscheiße bringts doch nicht"
Aber was soll man denn auch erwarten wenn das Filmteam einerseits von einem tollen SM-Studio unterstützt wurde das auch hinter dem steht was es tut, und andererseits von einen Clubbetreiben der das ganze nur sowiso nur als Kommerz sieht.
Danke für die ausführliche Darstellung Theo. Eigentlich ist mir jetzt die Lust vergangen den Film anzuschauen um den "Kommerz" nicht noch weiter zu unterstützen. Was die "Fehde zwischen Swingern und SMlern" betrifft schätze ich es so ein, dass sie eher zwischen SMlern und Swingern besteht, aber vielleicht ist das ja auch nur Wunschdenken meinerseits hinsichtlich der vielzitierten "Toleranz" von Swingern gegenüber anderen sexuellen Spielarten. Allerdings sind mir bisher wenig Swinger begegnet, die sich abfällig über die SM-Szene geäußert haben.
Schade eigentlich, dass es den Filmemachern nicht gelingt, ihre Sinnsuche auf beide "Welten" zu erstrecken sondern Schwarz-Weiß malen. Doch bevor ich jetzt weiter sinniere, werde ich ihn nur dann wohl selbst anschauen, wenn er hier läuft.
Hallo nochmal,
Inzwischen hab ich auch "Elementarteilchen" gesehen. Also da kommt der Swingerclub deutlich besser weg als in 24/7 finde ich. Also wie die beiden Paare am Tresen Kontakt aufnehmen, das war zimlich realistisch!
Tja und die Stellen sich nicht hin und sagen wir werben für euch.
Gruß
Theo
"Elematarteilchen" haben wir auch gesehen, wobei die Clubszene wohl noch diejenige ist, die die Leute überhaupt in die Kinos lockt, vor allem nach den vielen vernichtenden Kritiken. Da mag zwar die Kontaktaufnahme an der Theke realistisch sein, doch die spätere Szene, wo sich jeder gegen jeden in einem riesigen Raum vergnügt, bedient doch eher das übliche Klischee. Und was ist die Quintessenz der Szene, in der sie zusammen bricht, während ein Mann sie stehend von hinten nimmt? Inoperable Nekrose am Steißbein, Rollstuhl, Selbstmord. Eher abschreckend als werbend meine ich.
24/7 läuft bei uns erst nächste Woche an, werden uns dann ein eigenes Bild machen.
Nun waren wir endlich auch in 24/7 und ich muss sagen, es hat sich durchaus gelohnt. Der Film war viel besser als die vielen schlechten Rezensionen, und Altfreak hat eine recht gute Zusammenfassung gegeben. Lustige Szenen (allein die Gummisau Nr. 3 ist sehenswert) aber auch genügend Szenen, die sich mit der (Doppel-)Moral in dieser Gesellschaft auseinandersetzen. Das einzige schade ist, dass der Filmemacher es nötig hatte, so einen eklatanten Widerspruch zwischen SM- und Swingerszene aufzuzeichnen. Die versammelte Männerschar im Swingerclub erinnert schon ein bißchen an Gruselkabinett, vielleicht hing an der Tür ein Schild, dass die schönen Männer draußen zu bleiben haben? In dem Fall (Laiendarsteller, Stammgäste aus dem "La Boum?) war es gut, dass die Herren keine Sprechrollen hatten.
Ansonsten waren manche Monologe doch sehr laienhaft und auch die Lady Maria leierte ihren Text zum Teil mehr schlecht als recht runter. Trotz allem ein unterhaltsamer Film, der durchaus Denkanregungen geben kann.
Hallo Heidi,
nochmals vielen Dank für den Kaffee auf der Durchreise letzte Woche!
Inzwischen gibt´s eine neue Liste mit Terminen an denen der Film gezeigt wird.
Es sind auch ein paar Provinzkinos in erreichbarer Nähe dabei.
Mit ein wenig Glück schaffe ich es Anfang Juni den Film zu sehen, weil ich bilde mir meine schlechte Meinung lieber selber :)!
Dann kann ich auch hier etwas beisteuern!
Ihr werdet es nicht glauben … ich habe es geschafft. Zwar habe ich das Special mit den Darstellern am 10.06. in Siegburg versäumt, aber der Kinobetreiber mochte den Film noch zwei weitere Abende spielen, sodaß ich am 11.06. endlich Gelegenheit fand, ihn endlich zu sehen. Gespielt wurde er in der Marktpassage, ein kleines Kino mit drei Sälen. Ich war im gesamten Kino der einzige Gast. Bevor als wieder jemand Häme über den Film ausgiesst, sei ihm oder ihr gesagt, auch die anderen Filme fanden kein Publikum, was wohl an der Fußball WM und den ersten Abenden der Grillsaison nach einem viel zu kalten Mai lag.
Überhaupt war und ist es ja so, daß hier und/oder in anderen Foren der Film heftigst kritisiert wurde. Ich habe halt die Unart, mir meine Vorurteile selbst zu bilden. Wer sie nun hören will, mag also weiter lesen.
Das Jahr 2006 scheint das Jahr des Marien-Magdalenen-Kultes zu werden. Damit es jeder Dumme merkt, heißt eine der Protagonistinnen hier im Berufsleben als Domina Maria und im Privatleben als Doktorandin Magdalena. Im übrigen wird sie während des gesamten Films nicht müde, allen übrigen Protagonisten ihre Offenbarungen über deren (Sexual-)seelenpein zu verkünden, oder ihnen Erleuchtung über das eigene auch sexuelle ich und selbst (eine gute Szene mit dem Putzsklaven Elfriede) zu stiften. Darüber hinaus wird wie auch im Reißer „Sakrileg“ nahegelegt, daß die tatsächliche Geschichte der Kirche eine ganz andere war, als die katholische Kirche uns dies Glauben machen möchte. Das ganze kommt in Predigten gegenüber den übrigen Protagonisten daher, die zuweilen blasphemisch sind, woran sich der ein oder andere stören mag, mir war es - und hier kommen wir glaube ich zum ersten Mal zu einer „Meinung“ - ganz einfach zu viel. Das Thema persönliche Entwicklung an und in der Sexualität wurde mir zu hoch aufgehängt und der mahnende Finger, der in Köln ohnehin nicht geliebt wird, ging mir bisweilen deftig auf die Nerven. Ich werde wohl in diesem Leben kein Freudianer mehr werden.
Als heimlicher Cineast schaue ich mir häufiger gerne low-budget Produktionen an und ich mag die Kritik an der handwerklichen Qualität die hier teilweise laut wurde nicht sonderlich. Selbstverständlich wurde der Film nicht mit dolby-surround produziert, wie der ein oder andere box-office breaker. Deswegen wirken die Sprechstimmen hell, bisweilen piepsig. Die Kamera war sehr gut, die Filmmusik nach meiner Auffassung gut. Wenn Sie passend zur Szene zu sakral wurde und die Überzeichnung annervt, dann ist das ein Problem des Drehbuches aber nicht der Filmmusik, die den Erfordernissen der Szene folgt. Insgesamt hat der Zuschauer in Anbetracht des geringen Gesamtbudgets gute handwerkliche Arbeit bekommen.
Das Ergebnis an der Kinokasse und auch die Resonnanz hier im Forum ist aber von der Tendenz her negativ. Statt jetzt auch nur in die selbe Kerbe zu hauen und „sch...“ zu schreiben bzw. zu tippen, will ich eine Erklärung versuchen:
Filme sollen oder wollen unterhalten. Hier ist gleich das erste Problem, weil ich glaube, daß hier eher jemand belehren wollte und das goutiert der mündige Kinogänger nicht. Unterhaltung beginnt aber mit einer Geschichte, die der Zuschauer „abkauft“, d.h. die in sich geschlossen und authentisch ist. Werden Entwicklungen handelnder Personen dargestellt, müssen diese nachvollziehbar, am besten erlebbar sein.
Hier haben wir gleich das erste Problem mit Drehbuch und Dialogen. Der Film hat kaum angefangen, bringt ein Dialog zwischen Vater (Hotelier) und Tochter (andere Hauptdarstellerin) die Erwartung und den Plot binnen 7 Sekunden auf den Punkt. 25 Jahre, noch ungebunden, wird Zeit sich einen Lebenspartner zu suchen und den möglichst gleich mit in die zu ererbende mittelständische Existenz zu pressen. Ich selbst habe eine fünfzehn jährige Tochter und mache mir Gedanken, wie ich ihr gesprächsweise was verkaufen wollte. Bei einer 25 jährigen Tochter gäbe es keinen Gedanken auch nur ansatzweise gleichermaßen platt vorzugehen. Der Dialog ist also gewungen und unglaubwürdig, es geht ausschließlich darum, direkt auf das Thema des Drehbuchschreibers loszuhämmern. Ich fühlte mich ein wenig an die Oswald Kolle Filme erinnert .... es gibt einen Schwenk über ein Freibad und kaum sieht man irgendwelche Jugendliche, die im Wasser abhängen, heißt es „heute wollen wir uns mit den Problemen des vorzeitigen Samenergusses befassen“.
Wenn dieser Film also derartig belehren will, hätte es ihm gut getan einige Charaktere in den Hintergrund zu drücken und nicht die Hemmungen und Verklemmungen eines jeden auswalzen zu wollen. Weniger Charaktere, diese dafür aber auch wegen der zeitlichen Dimension (Filmlänge+Produktionskosten) glaubwürdig, wären die bessere Alternative gewesen.
Ein zweiter Problemkreis liegt vielleicht darin, daß der Film in der Swinger- und/oder SM-Szene gedreht wurde. Die bemühten Protagonisten dieser Szene sehen sich hier nicht richtig wieder gegeben. Über die SM Szene kann ich nichts sagen, da ich dieser nicht angehöre. Manche Swinger, die hier vor mir zu Wort gekommen sind, nehmen sich selbst und diese Szene offensichtlich zu wichtig. Bei der Filmszene im LaBoum mit der üblich interessierten Nachfrage „Solofrau“ und der Ernüchterung, nein keine Solofrau, als ihr Begleiter den Raum betritt mußte ich schmunzeln, gerade weil es ein häufiges deja vu ist. Auch Szenen in der der Begleiter/Mann/Aufpasser einen deutlichen Herrenüberschuss abbricht habe ich selbst schon mehr als einmal erlebt. Vor dem Hintergrund würde ich fragen wollen, worüber regt Ihr Euch auf? Möchtet Ihr Eure eigene Lebensgeschichte verfilmt sehen? Sicherlich wird es keine Clubwirtin geben, die die gewollte Anonymität Ihrer Gäste durchbricht und diese außerhalb des Clubs zusammenbringt. Ich denke aber, um die konstruierte Geschichte zusammen zu bekommen, darf Drehbuchschreiber und Produzenten ein wenig künstlerische Freiheit gegönnt sein.
Im Ergebnis, der Film ist keinesfalls gut, weil das Drehbuch ganz einfach schlecht ist. Ich habe aber auch schon schlechtere Filme gesehen und habe Abende sinnloser verbracht. Wenn irgendwelche Leute das LaBoum kritisieren wollen, mögen sie das bitte unter der zutreffenden Überschrift tun. Leute die sich mit dem Film auseinandersetzen wollen können das hier tun. Um aber glaubwürdig zu bleiben, soll man das eine aber bitte vom anderen trennen!